
Dan Ariely reiht sich mit seinem Predictably Irrational in die Gruppe der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler ein, die sich bemühren, ihr Forschungsfeld und ihre Forschungarbeiten in allgemein verständlicher Form an den Mann zu bringen. Häufig ist dabei auffallend, dass die persönliche Meinung, das persönliche Forschungziel stärker zu Tage tritt als bei ihren wissenschaftlichen Publikationen. Arielys Werk ist so ein Fall.
Dan Ariely beschreibt anhand vieler Fallbeispiele, die allesamt seinen eigenen Forschungsarbeiten in der experimentellen Ökonomie entspringen, dass der Mensch bei seinem Entscheidungen oft nicht zu nutzenmaximierendem Verhalten neigt. Wenigstens scheint dies so, wenn man annehmen möchte, dass der individuelle Nutzen auf zumindest kurzfristig stabilen Präferenzen beruht und unabhängig vom Kontext der entscheidung ist. Als Folge der -- für den so formalisierten individuellen Nutzen -- schädlichen Abweichungen schlägt Arielz ein sanftes Gegensteuern vor. Eine Form des Paternalismus, den man auch bei anderen Autoren findet.
Mit zwei Dingen kann ich mich trotz des sehr angenehmen geschriebenen, zum Teil jedoch auch ein wenig didaktisch wiederholenden, Text nicht anfreunden.
Die meisten Menschen, auch die in Arielys Experimenten, sind nicht irrational. Sie haben vielleicht bei ihren Entscheidungen noch andere Variablen berücksichtig, die Ariely als irrlevant abtut und so zu anderen zielführenden Aktionen kommt als seine Probanden. Sie sind vielleicht nicht Nutzenmaximierer sondern "nur" Nutzenbefriediger. Auch hier ist keine Irrationalität zu postulieren. Beschränkte Rationalität oder rationalle Beschränkheit sind eben keine Irrationalität.
Der zweite mich störende Punkt ist der eher unkritische Umgang mit den sich ergebenen Eingriffsmöglichkeiten, um die Akteure in die "richtige" Richtung zu schubsen. Hier fehlt wenigstens ein Verweis auf die akdemische Diskussion zum Soft Paternalismus. Den Vor- und Nachteilen, den Gefahren eines solchen Eingriffs.

The Long Tail beschreibt, wie mehr Auswahl zu umfangreicheren Verdienstmöglichkeiten und der besseren Befriedigung unterschiedlicher, individueller Wünsche führt und damit auch zu einer größeren Wohlfahrt. Mit The Paradox of Choice versucht Barry Schwartz vom Gegenteil zu überzeugen.
Hauptursache für einen Nutzenverlust durch mehr Auswahl stellen die psychologischen Kosten der Wahlentscheidung dar. Mehr Auswahl bedeutet eine umfangreichere Informationsaggregation und Verarbeitung. Mehr Auswahl bedeutet auch mehr Möglichkeiten, sich "falsch" zu entscheiden und die eigene Entscheidung zu bereuen, auch bereits in Antizipation der Entscheidung und nicht nur hinterher. Kurz, eine größere Auswahl bringt uns figurativ um den Schlaf.
Schwartz argumentiert logisch, bringt viele Beispiele aus dem täglichen Leben und verweist auf anerkannte Forschungsergebnisse seiner eigenen Forschungstätigkeit und der vieler anderer aus dem Bereich der Psychologie und der Ökonomie. Zusammen mit seinem lebendigem Schreibstil ergibt dies ein recht überzeugendes Werk.
Ich kann ihm trotzdem nicht gänzlich zustimmen. Intuitiv. Verneinen möchte ich seine Thesen allerdings auch nicht.
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