Economics

Gelesen: The Paradox of Choice

The Long Tail beschreibt, wie mehr Auswahl zu umfangreicheren Verdienstmöglichkeiten und der besseren Befriedigung unterschiedlicher, individueller Wünsche führt und damit auch zu einer größeren Wohlfahrt. Mit The Paradox of Choice versucht Barry Schwartz vom Gegenteil zu überzeugen.

Hauptursache für einen Nutzenverlust durch mehr Auswahl stellen die psychologischen Kosten der Wahlentscheidung dar. Mehr Auswahl bedeutet eine umfangreichere Informationsaggregation und Verarbeitung. Mehr Auswahl bedeutet auch mehr Möglichkeiten, sich „falsch“ zu entscheiden und die eigene Entscheidung zu bereuen, auch bereits in Antizipation der Entscheidung und nicht nur hinterher. Kurz, eine größere Auswahl bringt uns figurativ um den Schlaf.

Schwartz argumentiert logisch, bringt viele Beispiele aus dem täglichen Leben und verweist auf anerkannte Forschungsergebnisse seiner eigenen Forschungstätigkeit und der vieler anderer aus dem Bereich der Psychologie und der Ökonomie. Zusammen mit seinem lebendigem Schreibstil ergibt dies ein recht überzeugendes Werk.

Ich kann ihm trotzdem nicht gänzlich zustimmen. Intuitiv. Verneinen möchte ich seine Thesen allerdings auch nicht.

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Gelesen: Capitalism and Freedom

Es wurde Zeit, dass ich mir auch einmal den Klassiker von Milton Friedman „Capitalism and Freedom“ ansehe. Sein Personal Statement „Free to Chose“, gemeinsam geschrieben mit seiner Frau, steht noch aus.

Es ist erstaunlich, wie aktuell einige der in dem Buch diskutierten Punkte noch heute, über 40 Jahre später, sind. Interessant auch, dass seine Ideen heutzutage in einigen Kreisen so populär sind, dass man an ihrer politischen Umsetzung arbeitet, sie zumindst aber ernsthaft diskutiert.

Ein wenig irritierte mich, wie lange ich mit dem Buch gebraucht habe. Für 200 Seiten sollte ich normalerweise weniger als die Hälfte der Zeit benötigen. Es liegt jedoch nicht an schlechtem Schreibstil. Friedman wusste durchaus gut zu argumentieren und hatte einen recht angenehmen Schreibstil. Das Problem war die ungewöhnliche Dichte des Textes. Das Buch ist keine leichte Kost.

Gelesen: Freakonomics

Levitt und Dubners Freakonomics ist inzwischen in einer erweiterten Fassung erschienen. Während mich der ursprüngliche Band nicht lockte, sieht es mit dem erweiterten Band anders aus. Die Autoren hatten schliesslich jetzt Gelegenheit auf kritische Stimmen zu reagieren.

Denn kritische Stimme gab es seit Erscheinen von Freakonomics genug. Levitt berichtet in Freakonomics haupsächlich von seinen eigenen Forschungsarbeiten, streut jedoch auch einmal intressante Themen ein, die von anderen Wissenschaftlern bearbeitet wurden.

Als unbestritten innovativ muss Levitts Erklärung für den Rückgang der Verbrechensrate in den USA gelten. Auf die Idee, legalisierte Abtreibung als Ursache zu untersuchen, muss man erst einmal kommen. Auf die hierzu vorgebrachte methodische Kritik wird in dem erweiterten Teil des Buches eingegangen. Überzeugend wie ich meine.

Auch die ursprünglich zu oberflächlich betriebene Recherche zum Thema Ku Klux Klan wird zugegeben und die entsprechenden Aussagen im Lichte neuer Tatsachen korrigiert.

Der Umstand, dass jedoch auch andere Themen nur oberflächlich recherchiert wurden, wie das Beispiel Selbstexperimente zeigt, lässt mich das ganze Buch mit deutlich mehr Skeptis betrachten. Die Autoren haben sich damit keinen Gefallen getan.

Als deutlichen Mehrwert muss man dann auch die neuen Kapitel betrachten, in denen weiteres Material aus dem Blog zum Buch aufbereitet wurde. Insbesondere, weil hier auch auf die gemachten Fehler eingegangen wird. Das Blog ist daher und auch aus anderen Gründen zu empfehlen. Was ich vom Buch nicht sagen kann. Hier haben die Undercover Inner Armchair Economists ein deutlich besseren Dienst für die Wissenschaft Ökonomie geleistet.

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Gelesen: The Tipping Point

Malcom Gladwell beschreibt in seinem The Tipping Point wann ein Produkt, eine Idee oder auch ein soziales Phänomen Momentum bekommt. Drei Faktoren werden als entscheidend identifiziert: Kontext, Muliplikatoren und „Stickiness“. Alle drei Faktoren werden ausführlich erläutert. Wobei der Faktor „Stickiness“ am wenigsten überzeugend vermittelt wird. Das Argument kann durch die Fallstudien im letzten Drittel des Buches geretet werden. Es bleibt jedoch, obwohl intuitiv einleuchtend, wenig überzeugend vermittelt.

Insgesamt ein interessantes Werk. Ein wenig störend wirken die weltverbesserischen Ambitionen des Autors, die sich in der Auswahl der Beispiele und deren Diskussion widerspiegeln. Das Buch ist definitiv kein Business-How-To, wie auf dem Backcover angepriesen, sondern eine zum größten Teil gut fundierte Diskussion sozialer Phänomene.

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Gelesen: Behavioral Economics and Its Applications

2004 fand in Helsinki eine kleine Konferenz zum aktuellen Stand der Forschung der Behavioral Economics statt. 2007 erschien der in der Folge der Konferenz zusammengestellte Konferenzband mit zum Teil wesentlich aktualisierten Beiträgen.

Der Sammelband gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung und einen Ausblick in künftig relevante Forschungfragen thematisch geordnet nach derzeit bereits wichtigen aber noch unterentwickelten Teilgebieten der Behavioral Economics. In seiner inhaltlichen Breite and Aktualität ist der Band durchaus beeindruckend. Einzig fehlt mir eine angemessene kritische Würdigung der Frage nach der Notwendigkeit und Zulässigkeit des „soft paternalism“, des staatlichen minimalinvasiven Eingriffs in die individuelle Entscheidungsautonomie, dem Ausnutzen der begrentzen kognitiven Fähigkeiten und der begrenzten Willens- und Selbstbindungskraft des Bürgers, um ihn in die „richtige“ Richtung zu lenken. Denn die Frage nach dem „richtigen Entscheidungsverhalten“ kann nicht unbedingt eindeutig oder gar abschliessend beantwortet werden.

Trotzdem wird das Buch wohl auf der Pflichtliteraturliste für meine Lehrveranstaltung in Behavioral Economics landen…

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Gelesen: The Winner's Curse

Ende der Achtziger schrieb Dick Thaler für das Journal of Economic Perspectives eine ganze Reihe von Artikeln über Paradoxien und Anomalien in der Ökonomie. Diese Artikel sind im The Winner’s Curse gesammelt und ein wenig für den gemeinen Leser editiert worden. Erschienen ist die Sammlung Anfang der Neunziger und dürfte damit eines der ersten Behavioral Economics Bücher für die breite Masse sein.

Aufgrund des Charakters einer Artikelsammlung sind die einzelnen Kapitel, obwohl thematisch sortiert, jeweils in sich abgeschlossen. Trotzdem gibt es ein gemeinsames Thema und auch eine aus den Kapiteln resultierende Lehre: Die Theorie ist oft eben nur (normative) Theorie eines optimalen Verhaltens unter bestimmten Bedingungen und nicht die Beschreibung des tatsächlichen menschlichen Verhaltens. Es fehlt uns also (immer noch) an positiver Theorie und an der notwendigen Trennung zwischen den beiden Theorien.

Gut 15 Jahre später, die Situation hat sich zwar schon deutlich gebessert, gilt dies immer noch. Es gibt inzwischen Arbeit(en) an und mit positiver Theorie, das normative Idealbild ist jedoch noch immer zentrale Annahme des Durchschnittsökonomen.

Insgesamt trotz, vielleicht auch schon wegen, des Alters lesenswert.

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