Gelesen: More Sex is Safer Sex

Steven Landsburg gehört zu den ersten Autoren, die als aktive Wirtschaftswissenschaftler auch für das unbedarfte Publikum schreiben und nicht nur für die Fachkollegen. Mit dem Armchair Economist hat er Anfang der 90er eine Welle an Büchern mit ausgelöst, in der neben Bücher wie Freakonomics auch die aktuellen Werke im Bereich der Verhaltensökonomie ihren Platz gefunden haben.

Landsburg ist kein Verhaltensökonom. Trotz aller Anomalien bleibt festzustellen, dass Anreize in der Tat wirken, das Verhalten beeinflussen. In seinem aktuellen Buch More Sex is Safer Sex werden neben Anreizwirkungen auch andere ökonomische Prinzipien auf allerwelts Situationen angewandt, wie z.B. Opportunitätskosten. Und nicht selten gelangt Landsburg dabei zu überraschenden Schlussfolgerungen, wie man auch schon dem Titel des Buches entnehmen kann.

Das Buch verwendet und erweitert Material, das Landsburg auch für seine Artikel in slate unter der Rubrik Everyday Economics schon veröffentlicht hat. Dies erlaubt es ihm bereits jeweils am Ende eines Kapitels auf verschiedene Einwände einzugehen, die ihm bei der Veröffentlichung des jeweiligen Artikels in Leserbriefen vorgebracht wurden. Und Einwände gibt es. Seine Schlussfolgerungen sind kontrovers, seine daraus abgeleiteten Empfehlungen wirken manchmal abtrus. Nicht immer ist klar, ob er seine Empfehlungen tatsächlich ernst meint oder nur auf ein theoretisches soziales Optimum hinweisen möchte, von dem wir weit entfernt sind, welches wir auch aus verschiedenen Gründen nicht erreichen werden oder wollen.

Insgesamt ein sehr lesenswertes Buch. Es öffnet die Augen. Andererseits darf man auch als libertär eingestellter Mensch nicht alles wörtlich nehmen. Aber wenn man sich den Argumenten nicht verschliesst, sollte man unabhängig von seiner persönlichen Einstellung auch noch ein wenig beim Lesen lernen.

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