Gelesen: Wir nennen es Arbeit

Wir nennen es Arbeit ist vielleicht mehr oder weniger treffend als deutsche Variante der 4 hour workweek zu verstehen. Die Autoren Friebe und Lobo gehören der gleichen Generation wie Ferriss sind aber wesentlich weniger erfolgreich und beeindruckend in ihrem Lebensläufen.

Auch sie beschreiben jedoch ein Leben jenseits der klassischen Festanstellung, und gehen dabei naturgemäß stärker auf ihr eigenes soziales Umfeld ein. Ein wenig träumen auch sie vom großen Geld. Jedoch, sie und andere Mitglieder der deutschen Digital Boheme gehören eher dem Präkariat als dem Neuen Jetset an. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch im Buch wieder. Nicht selten wird mit figurativ großen, bewundernden Augen auf die wenigen Stars im Web geschaut, um wenig später wieder auf die eigene finanzielle Not einzugehen.

Das Buch ist kein Ratgeber. Vielmeher sucht es Verständnis für ein neues Lebensmodell zu erzeugen und Forderungen an die Politik zu stellen, um der eigenen Selbstverwirklichung ohne Zwang der Existenzsicherung nachgehen zu können. Obwohl streckenweise recht interssant zu lesen verkommt das Buch größtenteils zu einer soziologisch angehauchten Selbstanalyse der Autoren und einem Bettelbrief an die Verantwortlichen da oben. Im Gegensatz zu Ferriss predigen Friebe und Lobo nicht die Eingenverantwortlichkeit, die sich aus einer gewollten Freiheit ergibt. Nein, sie verlangen vom Staat, und damit von der Allgemeinheit, dass sie ihr Müßigtum und ihre zum Teil auch künstlerischen Tätigkeiten finanzieren. Damit hatten mich die Autoren dann gänzlich verloren.

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