Gelesen: The Myth of the Rational Voter

Bryan Caplan versucht zu erklären, warum Demokratien schlechte Politikmassnahmen hervorbringen. Zentral für seine Darstellung ist eine rationale Irrationalität der Wahlbevölkerung, die auch bezüglich ihrer Überzeugung (beliefs) Präferenzen hat. Während für den Ökonomen “Beliefs” der Agenten ein objektives Datum sind, ist dem Psychologen klar, dass zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbst-Bildes eine entsprechend der individuellen Vorstellungen verzehrte Wahrnehmung gehört. Sobald man der Idee der “preferences over beliefs” offen gegenüber steht ist es zum Modell des rational Irrationalen nicht mehr weit. Je billiger irrationales Verhalten (aufgrund von “preferences over beliefs”, z.B. ideologiebasierte Vorstellungen bezüglich guter Politikmassnahmen, statt wissensbassierte Erkenntnis) ist, desto wahrscheinlicher wird es, solches Verhalten auch zu beobachten. Demokratische Wahlen machen individuelles irrationales Verhalten sehr billig. Wie gross ist denn schon die Wahrscheinlichkeit, dass gerade die eigene Stimme Wahlentscheidend ist? Je geringer diese Wahrscheinlichkeit ist, desto billiger wird es im Erwartungswert falschen Vorstellungen anzuhaften.

Eine durch und durch interessante Arbeit. Die wenigen Annahmen zum verwandten Modell werden durch empirische Daten gestützt. Der Autor kann trotz des eher pessimistischen Untertitels seines Buches auch mit einer positiven Nachricht aufwarten. Auch wenn wir eine besser unterrichtete Wahlbevölkerung für gute Politikentscheidungen benötigen, ist es nicht so schlimm, wie es schlechtestens sein könnte. Das kurze Gedächtnis der Wähler und die Delegation der Verantwortung unpopulärer Massnahmen an untergebene Stellen erlaubt es den Politkern, ungestraft auch sinnvolle aber unpopuläre Politik zu betreiben.

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